{"id":102,"date":"2025-11-27T13:31:32","date_gmt":"2025-11-27T12:31:32","guid":{"rendered":"https:\/\/supportrm16.noblogs.org\/?p=102"},"modified":"2025-11-27T13:31:32","modified_gmt":"2025-11-27T12:31:32","slug":"zum-inflationaeren-gebrauch-des-gewaltbegriffs-und-der-aneignung-feministischer-terminologie-im-kampf-um-privateigentum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rm16bleibt.org\/?p=102","title":{"rendered":"Zum inflation\u00e4ren Gebrauch des Gewaltbegriffs und der Aneignung feministischer Terminologie im Kampf um Privateigentum"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">-Der Versuch einer Auseinandersetzung-<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Laufe des Konfliktgeschehens in der RM16 sahen wir uns mit unterschiedlichen Vorw\u00fcrfen konfrontiert. Den meisten nahmen und nehmen wir uns an, indem wir versuchen unser Verhalten und unsere Positionen kritisch zu hinterfragen und zu diskutieren. Darunter waren aber auch Anschuldigungen, die uns zum Teil schlicht absurd erschienen: Wir seien &#8220;autorit\u00e4re Anarchist*innen&#8221;, w\u00fcrden im Sinne unserer trotzkistischen Vorbilder &#8220;entristisch&#8221; das &#8220;letzte antideutsche Hausprojekt Dresdens&#8221; \u00fcbernehmen. Zuerst wurden wir \u00f6ffentlich und im Internet des Antisemitismus bezichtigt. Nachdem dies nicht den gew\u00fcnschten Effekt erzielt hat, wurde einfach die Erz\u00e4hlung ver\u00e4ndert:&nbsp; Schlie\u00dflich wurde ein Text ver\u00f6ffentlicht, in dem unser Genosse &#8220;Quentin&#8221; \u00f6ffentlich als &#8220;T\u00e4ter&#8221; diffamiert und wir als &#8220;T\u00e4tersch\u00fctzer*innen&#8221; bezeichnet wurden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Vorwurf, wir w\u00fcrden in trotzkistischer Manier das Eigenheim einer gl\u00fccklichen Kleinfamilie \u00fcbernehmen, war nie mehr als eine Provokation. Das ist sowohl uns, als auch den Urheber*innen dieser Anschuldigung bekannt. Darum hielten wir es nicht f\u00fcr notwendig, uns in dieser oder anderer Form zu \u00e4u\u00dfern. Die immer wieder erhobenen Gewaltvorw\u00fcrfe, die h\u00e4ufig vage bleiben und Raum f\u00fcr beliebige Interpretationen lassen, markieren f\u00fcr uns mittlerweile jedoch eine Grenze. An diesem Punkt halten wir eine Stellungnahme unsererseits f\u00fcr notwendig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir, das ist eine Gruppe aus Menschen mit verschiedenen Hintergr\u00fcnden und Positionierungen. Die meisten von uns sind FLINTA*, wir sind alle wei\u00df, manche von uns sind nicht in Deutschland aufgewachsen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben vor allem aus zwei Gr\u00fcnden entschieden, uns zu den Anschuldigungen einzulassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstens: Die Vorw\u00fcrfe, um die es hier geht \u2013 und wir m\u00f6chten das an dieser Stelle unmissverst\u00e4ndlich klarstellen, sind erfunden und unwahr. Sie verursachen auf pers\u00f6nlicher und individueller Ebene Leid und Schmerz. Unser Freund, Genosse und Mitbewohner sieht sich Behauptungen ausgesetzt, die nicht der Wahrheit entsprechen, deren blo\u00dfe Existenz jedoch ausreicht, um Misstrauen und Unbehagen zu erzeugen \u2013 sowohl bei ihm selbst als auch in seinem sozialen und politischen Umfeld.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens: Diese Vorw\u00fcrfe haben nicht nur Auswirkungen auf Einzelpersonen, sie haben Potential uns als Bewegung, uns als emanzipatorische Linke zu schw\u00e4chen und sogar ganz erheblichen Schaden zuzuf\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anderen Menschen Gewalt- und &#8220;T\u00e4ter&#8221;vorw\u00fcrfe zu machen, diese f\u00fcr pers\u00f6nliche Interessen zu instrumentalisieren und damit nicht zuletzt von eigenem problematischem Verhalten abzulenken, in einem Konflikt, in dem es eigentlich um ganz anders gelagerte Differenzen geht, ist gef\u00e4hrlich. Begriffe wie &#8220;T\u00e4tersch\u00fctzer*in&#8221; zu instrumentalisieren schadet dem Kampf gegen tats\u00e4chlich existente patriarchale Gewalt und Machtdynamiken innerhalb unserer Strukturen. Und auch das soll an dieser Stelle gesagt sein: Wir haben ein Problem in dieser Szene. Wir sind nicht frei von problematischen Machtdynamiken, wir alle sind im Patriarchat aufgewachsen, bewegen uns t\u00e4glich darin und reproduzieren es entsprechend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So ist es unredlich und alles andere als emanzipatorisch oder \u201elinks\u201c, in einer Situation, in der es nicht mehr gelingt die eigene (tats\u00e4chlich mehrheitlich privilegierte Macht-)Position durch Argumente oder Tatsachen zu st\u00fctzen und zu legitimieren, die andere Position mit Nebelkerzen in Form von Vorw\u00fcrfen zu delegitimieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht einfach ausger\u00e4umt werden k\u00f6nnen und eine l\u00e4ngere Debatte erfordern. Allein die Beliebigkeit, mit der unterschiedlichste Vorw\u00fcrfe (Trotzkismus, autorit\u00e4rer Entrismus, Antisemitismus, Antifeminismus) vorgebracht werden, scheint bei n\u00e4herer Betrachtung schlicht absurd. Und trotzdem stehen sie im Raum, schaden uns und m\u00fcssen irgendwie behandelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In unserer Auseinandersetzung mit den Gewaltvorw\u00fcrfen gegen eine Person aus unseren Reihen, ergab sich f\u00fcr uns vor allem die Frage, wie wir uns wehren k\u00f6nnen gegen L\u00fcgen, Manipulation und Kontrollverhalten einiger weniger gegen\u00fcber einer ganzen Gruppe. Wie wir uns gegen ausgedachte Vorw\u00fcrfe zur Wehr setzen k\u00f6nnen, ohne dabei eigenes tats\u00e4chlich problematisches Verhalten zu \u00fcbersehen. Als Anarchist*innen wissen wir, dass eine Analyse von Gewalt immer mehrere Perspektiven miteinbeziehen sollte und in jedem Fall Komplexit\u00e4t und Widerspr\u00fcche aushalten muss. Machtverh\u00e4ltnisse&nbsp; stellen sich selten eindimensional dar. Menschen k\u00f6nnen aus unterschiedlichen Positionen Macht aus\u00fcben, diskriminiert werden oder von Diskriminierung betroffen sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist unser unverr\u00fcckbarer feministischer Anspruch an uns und unsere politische Arbeit Gewaltvorw\u00fcrfen und insbesondere Vorw\u00fcrfen sexualisierter Gewalt, die im Prozess der ganzen Anschuldigungen mindestens anklangen, wenn auch selten explizit, mit einem offenen und klaren Umgang zu begegnen. Nachdem wir uns als politischer Zusammenhang w\u00e4hrend der letzten Jahre z.T intensiv mit dem Thema kollektive Verantwortungs\u00fcbernahme im Kontext von sexualisierter Gewalt befasst haben, wissen wir, wie anspruchsvoll und komplex eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem Thema ist und sein muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00fcssen Gewalt und gewaltvolles Verhalten benennen und kritisieren. Dort wo es stattfindet. Zu recht f\u00fchren Gewaltvorw\u00fcrfe und Anschuldigungen von patriarchalem Verhalten in der ersten Reaktion zu Emp\u00f6rung. Das ist richtig und soll so bleiben. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir diese Vorw\u00fcrfe jedoch differenziert ansetzen und vor allem nur dort anbringen, wo es die Tatsachen und Umst\u00e4nde begr\u00fcnden. Andernfalls wird eine wahrhaftige und ernsthafte Auseinandersetzung mit problematischen Verhalten und Machtdynamiken innerhalb unserer Strukturen mindestens sabotiert, wenn nicht sogar verunm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn also aus einem Konflikt, in dem sich ein cis Mann und eine FLINTA*-Person anschreien, der Mann sei in jedem Fall als &#8220;T\u00e4ter&#8221; konstruiert wird und in dieser Situation einzig der Gewaltaus\u00fcbende sein muss, scheint uns das zu unterkomplex. Es wird weder der spezifischen Situation gerecht, da der Prozess, der zu dieser gef\u00fchrt hat nicht betrachtet wird, noch unserem feministischen Anspruch, Personen vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Positionierung und der damit einhergehenden Machtdynamik zu begreifen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die aktuelle Situation um das Hausprojekt zeigt einmal mehr, dass wir nach wie vor&nbsp; keine ausreichenden Handlungskonzepte und Ideen haben, wie wir mit Gewalt innerhalb unserer Strukturen umgehen. Gleicherma\u00dfen fehlen uns Konzepte wie wir uns vor der Instrumentalisierung feministischer Standarts und Strukturen sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Es mangelt an der Einsicht, dass diese Themen nicht nur von Betroffenen und solidarischen Menschen bearbeitet werden muss, sondern von Allen. Wir brauchen gemeinsame Konzepte, die vor allem bereits auf Pr\u00e4vention setzten, um diese patriarchalen Handlungsmuster zu durchbrechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>-Der Versuch einer Auseinandersetzung- Im Laufe des Konfliktgeschehens in der RM16 sahen wir uns mit unterschiedlichen Vorw\u00fcrfen konfrontiert. Den meisten nahmen und nehmen wir uns an, indem wir versuchen unser Verhalten und unsere Positionen kritisch zu hinterfragen und zu diskutieren. 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